Was sagt die Bibel zur Wiederverheiratung Geschiedener?

„Gottes Gnade und Barmherzigkeit gilt auch für Menschen, die in ihrer Partnerschaft gescheitert sind.“

Wir leben in einer Gesellschaft, die sich kaum noch an die moralischen Grundsätze der Bibel hält. Wer sie in Fragen von Sexualität und Ehe vertritt, wird oft als weltfremd, spießerisch oder menschenfeindlicher Moralapostel verschrien. Auch das Treueversprechen „bis dass der Tod uns scheidet" ist für viele zu einer leeren Worthülse geworden.

Diese Haltung der Gesellschaft beeinflusst natürlich auch Christen. Deshalb ist für manche eine Scheidung nichts Ungewöhnliches. Doch die Ehe ist von Gott als lebenslanger Bund gestiftet worden. Diese Ansicht vertritt Christus in Matthäus 19,1-9: „Was Gott zusammengefügt hat, das soll der Mensch nicht scheiden." Der von Mose erlaubte Scheidebrief (5. Mose 24,1) ist nur ein Zugeständnis an den hartherzigen Menschen. Jesus geht hier jedoch auf die ursprüngliche Bedeutung der Ehe zurück und versucht damit der leichtfertigen Scheidungspraxis seiner Zeit einen Riegel vorzuschieben; ein Scheidungsgrund war beispielsweise schon eine angebrannte Suppe.

Jesus erwähnt nur einen Grund für die Scheidung: Ehebruch (Matthäus 5,31.32). In diesem Text kommt aber auch indirekt zum Ausdruck, dass eine Scheidung für ihn keine endgültige Aufhebung des Ehebündnisses ist. Er sagt nämlich: „Wer eine Geschiedene heiratet, der bricht die Ehe." Sicherlich hat er im Auge, dass Geschiedene sich eigentlich wieder versöhnen und ihre Ehe fortsetzen sollen. Heiratet einer von beiden jedoch erneut, macht er damit eine Fortsetzung der Ehe unmöglich. Der Ehebund und das Treueversprechen sind endgültig gebrochen.

Ist dies der Fall, hat der andere eigentlich die Freiheit, wieder zu heiraten. Doch darauf geht Jesus nicht ein. Man kann es nur aus dem Satz ableiten „es sei denn wegen Ehebruch". Durch seine neue Beziehung hat der andere ja die Ehe ungültig gemacht.

Paulus bestätigt in 1. Korinther 7,10-16 diese Anweisung Jesu: Geschiedene sollen ohne Ehe bleiben oder sich wieder versöhnen. Er spricht jedoch auch zu Christen, deren Partner sich nicht dem christlichen Glauben angeschlossen haben. Deshalb erweitert er Jesu Regel: Wenn ein Nichtchrist sich von seiner christlichen Partnerin scheiden lässt, ist die Frau nicht gebunden. Mit anderen Worten: Sie kann wieder heiraten. Demnach könnte auch ein Christ erneut heiraten, wenn seine Partnerin keine Christin ist und sich von ihm scheiden lässt. Wird eine geschiedene Frau Christin, kann auch sie wieder heiraten; schließt der nichtchristliche Partner eine neue Ehe, wäre sie sowieso frei.

Hier könnte man nun die Wiederheirat eines Christen damit verteidigen, dass der christliche Partner sich schlimmer als ein Heide verhalten hat und eigentlich nicht mehr als Christ bezeichnet werden kann. Aber so haben Jesus und Paulus das sicherlich nicht gemeint.