Welche Haltung sollen Christen zur Akupunktur einnehmen?

Akupunktur ist ein interessantes, aber auch kritisches Thema. Sie ist tatsächlich unter Christen sehr umstritten. Die einen sehen sie als seriöse Heilkunst an, wenn man sie vom buddhistischen Gedankengut entleert (so sehen es auch säkulare Mediziner, die sie praktizieren), die anderen lehnen sie als heidnisches Heilmittel ab, das Christen langsam und unmerklich unter dem Einfluss einer anderen Macht bringt.

Schließlich geht die Akupunktur von nichtchristlichen religiösen Gedanken aus. Die Chinesen glauben, dass das Weltall von einer göttlichen kosmischen Kraft beherrscht wird. Sie heißt Chi (bei den Japanern Ki). Wenn man von ihr vollkommen erfüllt ist, hat man übernatürliche Kräfte und Fähigkeiten und ist körperlich gesund. So behaupten es Chi-Gläubige. Chinesische Chi-Kung-Meister verblüffen immer wieder ihr Publikum mit Demonstrationen übernatürlicher Kräfte (Unverwundbarkeit, das Aushalten von Schlägen mit Holzbohlen, Verwandlung von Wasser zu Wein, usw.). Bei Großveranstaltungen bringen diese Chi-Meister Tausende von Menschen dazu, dass sie langanhaltend ohne Grund lachen, sich schreiend auf dem Boden wälzen oder von Krankheiten „geheilt“ werden. In den vergangenen Jahren kam es deshalb in China zu einer regelrechten Chi-Begeisterung.

Japaner glauben, dass man diese kosmische Kraft durch Atmen in den Körper aufnehmen kann. Sie sitzt dann im so genannten Hara, dem Ki-Zentrum des Körpers, etwa 10 cm unterhalb des Bauchnabels. Von dort aus kann man sie durch den ganzen Körper strömen lassen. Sie wird auch Atemkraft genannt. Ki befähigt den Menschen angeblich zu körperlichen Leistungen, die durch Muskelkraft nicht möglich sind. Ki führt ihrer Meinung nach zur inneren Harmonie und zum Frieden. –  Diese Gedanken werden von der westlichen Welt oft kritiklos aufgenommen, nachdem man den inneren Frieden, den der Heilige Geist schenkt, verloren hat.

Chinesische Ärzte meinten schon vor Jahrhunderten herausgefunden zu haben, man könnte die kosmische, heilende Kraft Chi über Nadeln auffangen und in den Körper leiten. Sie legten auch fest, dass diese Energie über verschiedene Bahnen durch den Körper fließt, sodass Meridiane und entscheidende Punkte entstehen. Diese Bahnen und Meridiane sind jedoch naturwissenschaftlich nicht nachweisbar. Um Chi wieder in den Körper leiten und es den erkrankten Organen zuleiten zu können, muss man die Nadeln in diese wichtigen Punkte stechen.

Westliche Mediziner glauben meistens nicht an diese Ideen. Was sie aber feststellen konnten, ist eine Verringerung der Schmerzen durch die Akupunktur. Das verführte viele zu der Überzeugung, die Akupunktur würde dann auch heilen. Neurologen weisen jedoch darauf hin, dass Schmerzlinderung nicht unbedingt Heilung bedeutet. Die vielen kleinen Schmerzsignale der Nadeleinstiche, können nämlich das Schmerzsignal des erkrankten Organs überdecken. Außerdem werden im Hirn Endorphine ausgeschüttet, schmerzdämpfende, Morphium ähnliche Stoffe, die länger anhaltend Schmerzen ausschalten oder sie wenigstens lindern können.

Naturwissenschaftlich gesehen ist noch nicht bewiesen worden, dass durch Akupunktur wirklich eine Heilung stattfindet und nicht nur eine Schmerzlinderung. Mediziner warnen auch davor, durch die Beschwerdefreiheit den Patienten in eine falsche Sicherheit zu wiegen, sodass sie die eigentliche Krankheit nicht weiter behandeln lassen, was wiederum zu einer Verschlimmerung führen kann: Was ist, wenn die Kopfschmerzen von einem Tumor hervorgerufen werden? Was sind die Ursachen der schmerzenden Verspannungen? Bloße Akupunktur scheint also nur das Randproblem Schmerz zu behandeln, statt den Ursachen der Beschwerden auf den Grund zu gehen. Deshalb fordern viele Ärzte eine genaue klinische Abklärung, welche Ursachen den Schmerzen zugrunde liegen.

Während meiner Arbeit habe ich eine Frau aus der High-Society kennen gelernt, deren Finger „verkrüppelt“ waren. Sie hatte ihre Hände jahrelang durch Akupunktur behandeln lassen, aber es hatte nicht geholfen, sondern nur viel gekostet. Ich bat einen Neurologen die Ursache ihrer Krankheit abzuklären. Das Ergebnis: Ein rechtzeitiger kleiner chirurgischer Eingriff hätte damals die Ursache ihrer Verkrüppelung beheben können. Nun aber war es dafür zu spät.

Etwa die Hälfte aller Patienten, die einen Allgemein-Mediziner aufsuchen, leiden bekanntlich an körperlichen Störungen, die psychische Ursachen haben (psychosomatische Erkrankung, vegetative Dystonie, psychovegetatives Syndrom, funktionelle Krankheit usw.). Deshalb ergibt eine genaue klinische Untersuchung ja auch keinen klaren Befund. Solche Störungen werden manchmal mit Behandlungsmethoden wie mit Akupunktur erfolgreich behandelt. Der Glaube an die Methode kann tatsächlich die psychische Belastung (z. B. tiefsitzende Unzufriedenheit oder negativen Stress) überdecken. Deshalb kehren die Schmerzen oder anderen Beschwerden ja auch nach einigen Wochen oder Monaten wieder. Von endgültiger Heilung kann man da also nicht reden.

Sie müssen sich deshalb die Frage stellen, ob nicht die Hitzeattacken auch nur durch das Vertrauen gegenüber der Methode der Akupunktur geblockt worden sind. Hormonschwankungen und Psyche stehen ja im Zusammenhang. So könnte es sich nur um einen psychosomatischen Effekt gehandelt haben. Mehr kann ich nicht dazu sagen.

Viele Christen lehnen Akupunktur ab, weil es hier um eine nichtchristliche Lehre geht, die aus dem Buddhismus kommt, der ja eine atheistische Religion ist. Im Buddhismus hat ein Gott keinen Platz. Die Bibel sagt außerdem nichts von einer unpersönlichen kosmischen Kraft, die man durch Meditation, Atmung oder Nadeln einfangen kann, um dadurch übernatürliche Kräfte zu bekommen oder Heilung zu finden. Es gibt für Christen nur einen persönlichen Gott, der Kraft und Heilung schenkt, wenn man ihn bittet (das bedeutet natürlich nicht, dass Christen völlig beschwerdelos leben; erst auf der neuen Erde wird alles Leid enden).

Nachdem unsere Gesellschaft jedoch den Glauben an diesen persönlichen Gott über Bord geworfen hat, ist sie offen geworden für alle möglichen nichtchristlichen Gedanken asiatischer, afrikanischer und indianischer Religionen, die sie im Eintopf der Esoterik zu einer neuen Weltanschauung zusammenkocht. So wird das christliche Abendland vor unseren Augen wieder heidnisch. Ob die Menschen damit glücklicher werden, wage ich zu bezweifeln. Finden Menschen anderer Religionen nämlich zu Christus, dann ist dieser Glaube an die Erlösung durch Jesus für sie wie ein Aufatmen, eine Befreiung von dunklen Mächten.