Warum feiert man Mariä Himmelfahrt?

Das „Fest der leiblichen Aufnahme Mariens in den Himmel“ wird traditionell am 15. August begangen. Katholische Gläubige feiern dort, dass Maria als erste erlöste Person in den Himmel aufgenommen wurde. (Gerhard Ludwig Müller: Katholische Dogmatik: für Studium und Praxis der Theologie. 4. Auflage der Sonderausgabe [9. Gesamtauflage]. Herder, Freiburg im Breisgau 2012, S. 507.)

Die Feier geht allerdings nicht auf die Bibel zurück, sondern wurde erst im 5. Jahrhundert von Bischof Kyrill von Alexandrien eingeführt. Damals begannen Christen aufgrund eines apokryphen Schriftstücks namens Transitus Mariae (aus Ägypten, ca. 400 n. Chr.), an eine Himmelfahrt Marias zu glauben. 1950 erklärte Papst Pius XII. die Lehre der Himmelfahrt Mariens zum katholischen Dogma. (E. M. Yamauchi, „Apokryphal Gospels“ in G. W. Bromiley (Hrsg.), The International Standard Bible Encyclopedia, Eerdmans, Wm., 1979-88, Bd. 1, S. 183).

Was sagt die Bibel über Marias Lebensende?

In der Bibel findet sich nur wenig über Marias späteres Leben. Wir erfahren, dass Jesus am Kreuz den Jünger Johannes bittet, seine Mutter bei sich aufzunehmen (Johannes 19,25-27). Außerdem wird erwähnt, dass Maria sich nach der Himmelfahrt Jesu gemeinsam mit den Aposteln in Jerusalem aufhielt, wo sie beteten (Apostelgeschichte 1,14).

Maria gehörte also zur ersten Christengemeinde in Jerusalem. Manche mutmaßen, dass der Apostel Johannes sie mit nach Ephesus genommen haben könnte, wo er sich später aufhielt. Ob das stimmt, hängt davon ab, wie lange Maria noch gelebt hat, was aber unbekannt ist.

Eine Himmelfahrt Marias wird nirgends in der Bibel berichtet. Paulus, Petrus, Jakobus und Johannes erwähnen Maria nie in ihren Briefen, obwohl diese Briefe zur Zeit der frühen Christengemeinde entstanden sind. Auch in der Apostelgeschichte findet sich nach Kapitel 1,14 kein Wort mehr über sie.

Der Jünger Johannes, der Maria auf Jesu Wunsch hin bei sich aufnahm, wurde an seinem Lebensende auf die Insel Patmos verbannt. Dort schrieb er ca. 95 n. Chr. das letzte Buch der Bibel – die Offenbarung Jesu Christi (auch „Johannes-Apokalypse“ genannt). In seinen Visionen vom himmlischen Thronsaal sieht er Vater und Sohn in ihrer Herrlichkeit, nicht jedoch Maria. Er als ihr angenommener Sohn hätte ihre Anwesenheit als Himmelskönigin dort sicher bemerkt!

Maria – eine wichtige Augenzeugin

Es finden sich im Neuen Testament keinerlei Hinweise darauf, dass Maria in den Himmel aufgefahren ist – sogar im Gegenteil, es spricht alles dagegen. Dennoch können wir davon ausgehen, dass sie in der frühen Christengemeinde sehr geschätzt wurde. Ihr Augenzeugenbericht über Jesu Geburt, Kindheit und frühes Wirken war für die damaligen Christen sehr wertvoll. Die Schreiber der Evangelien konnten sie über die Details befragen und ihren Bericht in den Evangelien berücksichtigen (siehe Lukas 1-3 oder Matthäus 1-2). So ist Marias Lebenswerk noch größer als das einer Mutter, denn sie hat auch dazu beigetragen, dass wir heute noch in den Evangelien einiges über die ersten Jahre Jesu lesen können.

Fazit
Der Glaube an eine Himmelfahrt Marias kam erst einige Jahrhunderte nach ihrem Tod auf, als eine gewisse Legendenbildung in der Christenheit einsetzte. Dem gegenüber findet sich in der Bibel wenig über Marias Lebensende: Sie war Teil der Jerusalemer Urchristengemeinde und stand unter der Fürsorge des Johannes. Weder Johannes noch einer der anderen Apostel schreibt etwas über eine Himmelfahrt Marias. Damit kann man davon ausgehen, dass es sich um eine später entstandene Tradition handelt.

Zum Nachdenken
Maria war eine unscheinbare junge Frau, für die Gott eine große Aufgabe hatte. Sie hatte den Mut, sich ihm willig zur Verfügung zu stellen. Sie vertraute Gott. Als ihre Aufgabe erfüllt war, das Kind Jesus zur Welt zu bringen und aufzuziehen, trat sie in den Hintergrund, unterstützte aber die frühe Christengemeinde durch ihre Augenzeugenberichte und ihr Gebet. Darin ist sie uns ein Vorbild.

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