Was sagt die Bibel über Maria?

Maria, die Mutter Jesu, kennt wohl fast jeder, sei es aus der Weihnachtsgeschichte oder aus der Kirche. Doch was sagt die Bibel wirklich über sie?

Marias Gehorsam und Mut
Maria war eine junge Frau aus der Nachkommenschaft Davids, die mit Joseph, einem Zimmermann aus Nazareth verlobt war. Ehe die beiden ihre Hochzeit feierten, hatte Maria eine Begegnung mit einem Engel und wurde damit beauftragt, ein Kind auszutragen, das vom Heiligen Geist gezeugt war (Lukas 1,26-35; Matthäus 1,18).

Eine Schwangerschaft vor der Ehe war damals ein Skandal, im besten Fall drohten ihr öffentliche Schande und Ausgrenzung, im schlimmsten Fall ihre Steinigung. Dennoch war Maria bereit, die Konsequenzen zu tragen und Gott gehorsam zu sein. Ihre bemerkenswerte Antwort lautete damals: Siehe, ich bin des Herrn Magd; mir geschehe, wie du gesagt hast“ (Lukas 1,38).

Maria als Mutter des Kindes Jesu
Joseph, der ebenfalls eine Nachricht von Gott erhielt und dadurch über alles Bescheid wusste, heiratete Maria trotz allem. Auch er bewies hier Mut und die Bereitschaft, Gott unter allen Umständen zu vertrauen.

Aufgrund einer Volkszählung musste das junge Ehepaar in die Heimatstadt ihres Stammvaters David ziehen, nach Bethlehem in Judäa. Dort kam das Kind unter sehr einfachen Bedingungen zur Welt – in einem Stall. Von Anfang an war klar, dass es sich nicht um ein gewöhnliches Kind handelte. Hirten aus der Gegend und Weise aus dem Orient kamen aufgrund von göttlichen Botschaften herbei, um das Kind zu verehren und anzubeten (Lukas 2,8-20; Matthäus 2,10-11).

Neben der Voraussage des Engels Gabriel wurden auch verschiedene Prophezeiungen über das Kind ausgesprochen, die Maria lange im Gedächtnis blieben (Lukas 2,25-38). Die ersten Lebensjahre der Familie waren bewegt. König Herodes ließ die Kleinkinder in Bethlehem töten und Maria und Joseph flohen auf Gottes Befehl hin für eine Zeitlang nach Ägypten, bevor sie sich permanent in Nazareth niederließen (Matthäus 2,13-23).

Der Prozess der Ablösung
Wir können davon ausgehen, dass Maria eine enge Verbindung zu ihrem Sohn hatte. Dennoch wurde bald klar, dass Jesus eine besondere und eigenständige Aufgabe für sein Leben zuteil wurde, die Maria nicht völlig teilen und verstehen konnte. Ihr war auch schon am Anfang des Lebens Jesu prophezeit worden, dass durch ihre Rolle als Mutter Jesu einmal „ein Schwert durch ihre Seele gehen würde“ (Lukas 2,35).

Im Alter von 12 Jahren ging Jesus auf einer Reise nach Jerusalem in der Reisegesellschaft verloren und fand sich später im Tempel wieder, wo er den Gelehrten Fragen stellte und diese sehr über ihn erstaunt waren. Auf die sorgenvollen Vorwürfe seiner Eltern reagiert er überraschend: „Warum habt ihr mich gesucht? Wusstet ihr nicht, dass ich sein muss in dem, was meines Vaters ist?“ (Lukas 2,49). Auch wenn Jesus seine irdischen Eltern geschätzt und geliebt hat, machte er ihnen mehrmals deutlich, dass er in erster Linie seinem himmlischen Vater verpflichtet war.

Maria bleibt im Hintergrund
Zwischen seiner Taufe und Kreuzigung zog Jesus dreieinhalb Jahren als Wanderprediger umher. Eine Kerngruppe von 12 Jüngern und noch andere Nachfolger begleiten ihn, darunter auch einzelne Frauen (Lukas 8,1-3). Es ist es gut möglich, dass Maria ebenfalls manchmal dabei war, auch wenn sie nur an sehr wenigen Stellen erwähnt wird.

Eine Erwähnung betrifft Jesu erstes berichtetes Wunder auf der Hochzeit zu Kana. Dort wandte sich Maria an ihn, als den Brautleuten der Wein ausging, was damals sehr peinlich war (Johannes 2). Sie ermutigte die Zuständigen dort, auf Jesus zu hören, was zeigt, dass sie schon zu Beginn seines öffentlichen Wirkens großes Vertrauen zu ihm hatte.

Jesu wahre Familie
Einmal erfahren wir, dass Maria und die Brüder Jesu nach Jesus fragen, um ihn zu sprechen. Jesus reagiert wieder anders als man erwartet hätte. Er bezeichnet all diejenigen als seine Mütter, Schwestern und Brüder, die Gottes Wort hören und tun (Matthäus 12,46-50; Markus 3,31-35; Lukas 8,19-21). Diese Aussage muss nicht als unhöfliche Zurückweisung seiner Familie verstanden werden, auch wenn er sich damit natürlich gegen ihre Ansprüche auf ihn abgrenzte. Jesus wollte wohl vor allem darauf hinweisen, dass die entscheidende Verbindung zu ihm eine geistliche sein muss, nicht nur eine verwandtschaftliche. Auch seine engsten irdischen Angehörigen mussten ihn als ihren persönlichen Erlöser und Herrn annehmen.

Aus dem biblischen Buch der Apostelgeschichte geht hervor, dass sowohl Maria als auch seine Brüder später Teil der urchristlichen Gemeinde waren, die Jesus als Sohn Gottes verehrte. Jakobus, der Bruder Jesu, wurde sogar Leiter der Urchristenheit in Jerusalem und Autor eines neutestamentlichen Briefes.  

Maria am Kreuz und danach
Die letzte Erwähnung Marias in den Evangelien findet sich in Johannes 19,25-27. Jesus veranlasste vom Kreuz aus, dass der Jünger Johannes Maria bei sich aufnimmt. Er sollte ihr zum Sohn und sie ihm zur Mutter werden.

Maria hat fortan vermutlich bei Johannes gelebt. Sie wird zum letzten Mal in Apostelgeschichte 1,14 erwähnt, wo sie nach der Himmelfahrt Jesu gemeinsam mit anderen Christen in einem Haus zum Gebet versammelt war. Die Schreiber des Neuen Testaments erwähnen sie nach dieser Zeit nicht mehr, sodass wir nicht wissen, wie lange sie noch lebte. Allerdings können wir davon ausgehen, dass sie als Augenzeugin eine wichtige Quelle für die damals verfassten Evangelienberichte war.

War Maria sündlos?
In der katholischen Tradition kommt Maria als Mutter Gottes eine besondere Rolle zu, die auch beinhaltet, dass sie sündlos war und als Miterlöserin in den Himmel aufgefahren ist. Das lässt sich aus der Bibel aber nicht ableiten. Die Bibel sagt eindeutig, dass alle Menschen Sünder sind (Römer 3,22-24). Damit Jesus Mensch werden konnte, wurde eine menschliche Mutter benötigt, kein sündloses Engelswesen. Jesus war als menschgewordener Gott frei von Sünde (Hebräer 4,15), während Maria zwar sehr vorbildlich, aber nicht übermenschlich und perfekt war. Sie hatte auch nicht von Anfang an ein volles Verständnis der Mission Jesu, sondern entwickelte dieses erst mit der Zeit.

Maria hatte das Vorrecht, ihren Herrn und Erlöser zur Welt zu bringen. Auf diesen hatte sie schon zuvor ihre Hoffnung gesetzt (Lukas 1,46-55). Auch ihre eigene Errettung hing davon ab, Jesu Opfer am Kreuz anzunehmen – was sie später auch tat.

Ist Maria als Miterlöserin im Himmel?
Genauso wenig wie Maria sündlos war, kann sie eine Funktion als Miterlöserin erfüllen. Sie brauchte selbst einen Erlöser. Wenn ihr in der frühen Christengemeinde besondere Verehrung zuteilgeworden wäre oder Menschen Gebete an sie gerichtet hätten, würden wir dies ohne Zweifel in den Evangelien, der Apostelgeschichte, den neutestamentlichen Briefen oder der Offenbarung beschrieben finden. Sie wird aber außer in den Evangelien und am Anfang der Apostelgeschichte überhaupt nicht mehr erwähnt.

Wo ist Maria jetzt?
Maria hat vermutlich ihre letzten Jahre im Haus des Johannes verbracht, dem „Lieblingsjünger“ Jesu. Ob dies in Jerusalem war oder in Ephesus, wo Johannes später lebte, ist nicht bekannt. Wir wissen auch nicht, wie lange Maria noch gelebt hat. Wir erfahren aber im 1. Thessalonicherbrief, dass alle Gläubigen, die entschlafen sind, am Tag der Wiederkunft Jesu gemeinsam von den Toten auferstehen dürfen und dann mit ihm in den Himmel aufgenommen werden. Bis dahin ruhen die Toten im Grab, wobei sie nicht mehr am Leben auf dieser Welt Anteil nehmen müssen (Prediger 9,5-6). Maria starb also, wurde begraben und wird am Jüngsten Tage gemeinsam mit allen anderen Gläubigen auferstehen.

Kann man zu Maria beten?
In der Bibel wird mehrfach betont, dass Gebete nur an Gott allein gerichtet werden dürfen, nicht an Engel oder Menschen, die ja selbst nur Geschöpfe sind (Offenbarung 19,10; 22,8-9). Als die Weisen aus dem Morgenland nach Bethlehem zogen, fanden sie zwar das Kindlein und seine Mutter, jedoch beteten sie nur das Kind an, nicht Maria (Matthäus 2,11).

Maria war selbst eine Anbetende, von der uns auch ein Gebet überliefert ist, das sogenannte Magnificat (Lukas 1,46-55). Sie betete auch gemeinsam mit den Aposteln (Apostelgeschichte 1,14). Das zeigt, dass sie nicht Empfängerin oder Vermittlerin von Gebeten war, sondern selbst Gebet nötig hatte.

Fazit
Maria war eine besondere Frau mit einem außergewöhnlichen Auftrag. Sie stellte sich Gott zur Verfügung und hatte das Vorrecht, Jesus auf einzigartige Weise nahe zu sein. Dennoch war sie ein Mensch aus Fleisch und Blut. Sie musste selbst ein tieferes Verständnis von Jesu Auftrag entwickeln und ihn schließlich nicht nur als Sohn, sondern auch als Herrn und Erretter annehmen. Da sie selbst nur ein Mensch war, ist es nicht erlaubt, Maria anzubeten. Wir können aber von ihrem Glauben, Mut und Gehorsam viel lernen.

Zum Nachdenken
Maria war eine mutige und tief gläubige Frau. Als Gott ihr einen Auftrag anvertraute, der völlig unglaublich erschien, war sie ohne Wenn und Aber bereit, sich ihm zur Verfügung zu stellen. Dabei riskierte sie, von ihrem Verlobten verlassen und von der Gesellschaft ausgegrenzt zu werden.

Wie sehr beschäftigt es mich, was andere von mir denken könnten? Bin ich bereit, Gott vorbehaltlos zu vertrauen, selbst wenn mich das in Schwierigkeiten bringt?

Siehe auch: Warum feiert man Mariä Himmelfahrt?

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