In welchem Jahr wurde Jesus gekreuzigt?

„Die Kreuzigung Jesu durch die Römer kann nur im Jahr 31 n. Chr. stattgefunden haben.“

In der Bibel finden wir nur spärliche Zeitangaben über das Leben Jesu. Den Schreibern der neutestamentlichen Bücher war wichtiger, dass der Sohn Gottes zu uns kam, für unsere Schuld starb, von den Toten auferstand und dass er wiederkommen wird, um uns ewiges Leben zu schenken. Erst durch den Einfluss des Hellenismus (griechische Kultur) begann man, nach exakten Zeitangaben zu suchen. Wir sehen dies im Ansatz schon in den Berichten des Lukas, der als Grieche das Leben Jesu und die Geschichte der urchristlichen Gemeinde genau erforschte (Lukas 1,1-4; Apostelgeschichte 1,1ff.).

Trotzdem können wir das Jahr der Kreuzigung Jesu bestimmen, wenn wir die Angaben der Bibel mit historischen Ereignissen im römischen Reich vergleichen. Demnach trat Johannesannes der Täufer im fünfzehnten Jahr des Kaisers Tiberius auf (Lukas 3,1ff.). Wenn wir davon ausgehen, dass Lukas sich hier nach dem jüdischen Kalender richtete (das jüdische Jahr begann im Monat Tischri, im Oktober/September), dann ist dies der Spätherbst 27 n. Chr. gewesen.

Als Jesus von Johannes getauft wurde und seinen Dienst begann, war er etwa 30 Jahre alt (Lukas 3,21-23; Matthäus 3,1.13). Seine Taufe fand wahrscheinlich schon kurz nach dem Auftreten des Johannes statt. Jesus zog anschließend dreieinhalb Jahre durch Palästina (Johannes 2,23; 5,1; 6,4; 13,1; Johannes berichtet von drei Passahfesten, an denen Jesus teilnahm und von einem „Fest der Juden", das offensichtlich auch ein Passahfest war; die Gründe dafür können hier nicht näher ausgeführt werden). Nach diesen dreieinhalb Jahren wurde Jesus von den Römern unter Pontius Pilatus (26-36 n. Chr. Statthalter in Judäa und Samaria) ans Kreuz geschlagen. Seine Kreuzigung fand also im Frühjahr 31 n. Chr. statt.

Drei Bibeltexte und ein historischer Hinweis bestätigen dieses Datum. So versuchten jüdische Fanatiker Jesus zu steinigen, weil er angeblich Gott lästerte (Johannes 10,30-33). Doch Jesus entkam ihnen (Vers 39). Einige Jahre später steinigten Mitglieder des Hohen Rates Stephanus (Apostelgeschichte 7,54-60 ). Diese Art der Hinrichtung wegen Gotteslästerung war bei den Juden üblich. Als aber Pilatus die Mitglieder des Hohen Rates aufforderte, Jesus nach dem jüdischen Gesetz selbst zu richten, antworteten ihm die Juden: „Wir dürfen niemand töten." (Johannes 18,31)

Offensichtlich war den Juden die Vollstreckung der Todesstrafe zeitweise verboten worden. Tatsächlich hatte Konsul Lucius Aelius Sejanus im Jahr 30 n. Chr. im römischen Senat einen Erlass durchgesetzt, der Juden die Durchführung der Todesstrafe verbot. Im Oktober 31 n. Chr. erhielten die Juden jedoch ihre Privilegien zurück (E. Stauffer, Jerusalem und Rom im Zeitalter Jesu Christi, Bern 1957, S. 17, 121; G. Ricciotti, Geschichte Israels, Wien 1955, Bd. II, S. 239). Historisch gesehen konnte Jesus nur während dieser Zeit durch die Römer gekreuzigt werden: Es war im Jahr 31 n. Chr. während des Passahfestes. Ein Jahr vorher oder später hätten die Juden das Todesurteil selbst verhängen und vollstrecken können. Dann aber wäre Jesus gesteinigt worden (siehe Johannes 18,31.32). So zeigen das Neue Testament und die historischen Fakten, dass Jesus genau in dem Jahr starb, das schon dem Propheten Daniel in Kapitel 9,24-27 angekündigt worden war.