04.03.2017Die Reformatoren: Jan Hus (1373 - 1415)

1373 wird in Böhmen ein Junge geboren, der aufgrund seiner außerordentlichen Begabung schließlich ein Stipendium an der Universität zu Prag erhält. Seine verwitwete Mutter wäre zu arm gewesen, ihm ein Studium zu finanzieren. Er wird später als Jan Hus zu nationaler Berühmtheit aufsteigen und weit über seine Landesgrenzen hinaus bekannt werden. Wie kommt es dazu?

Eines Tages tummeln sich die Menschen und diskutieren angeregt in einer Passage in Prag. Immer mehr Schaulustige stoßen dazu und die Zahl der Anwesenden schwillt ständig an. Jeder neu Hinzugekommene versucht zu erfahren, was der Grund dieser außergewöhnlichen Menschenansammlung ist. Aufgeregt wird auf zwei Gemälde an den gegenüberliegenden Wänden gezeigt. Wunderschöne Kunstwerke sind hier zu sehen. Doch es ist nicht die Kunst, nicht die feine Auswahl der Farben, die den Menschen ins Auge sticht. Nicht die Ästhetik erregt die Gedankengänge der Zuseher. Es ist der Inhalt des Bildes, das Dargestellte, das die Herzen durcheinanderbringt. Was spielt sich hier ab? Was ist hier zu sehen? Was geht da vor sich? Wie kommt es zu diesem Ereignis? Was ist die Vorgeschichte?

Die böhmische Prinzessin Anne hat den englischen König Richard II. geheiratet. In England erfährt sie von den Schriften des englischen Reformators John Wycliff aus Oxford und nimmt dessen Botschaften begeistert auf. Sie sorgt dafür, dass diese wunderbaren Wahrheiten auch in ihrer Heimat Böhmen bekannt werden.

Zwei Gelehrte aus Canterbury, die über entsprechende künstlerische Begabung verfügen, begeben sich nach Prag und malen in dem Durchgang des Hauses, in dem sie wohnen, zwei Gemälde an die Wand. Das eine Gemälde zeigt den Heiland bei seinem Einzug auf dem Esel in Jerusalem. In bescheidener, einfacher Kleidung wird Christus dargestellt. Auf dem zweiten Gemälde, an der gegenüberliegenden Wand des öffentlichen Durchganges, wird der Papst hoch zu Ross in prachtvoller Kleidung abgebildet. Kein Kaiser kann mehr Luxus zeigen als der Papst auf diesem Gemälde. Die Menschen schauen gebannt auf diese Darstellung der Gegensätze. Menschenansammlungen bilden sich vor den zwei Kunstwerken, sodass der gerade vorbeikommende Rektor der Universität zu Prag, mit Namen Jan Hus, erstaunt verweilt, um zu sehen, was hier das Interesse der Beschauer erregt. Schnell begreift er den tiefen Sinn der zwei Szenen. Das Papsttum hat sich meilenweit vom ursprünglichen Christentum entfernt. Der Papst agiert wie ein weltlicher Herrscher, meilenweit von der schlichten Lebensweise Jesu abgehoben. Er lebt wie ein reicher, mächtiger König, der üppig und ausschweifend auf Kosten der armen Bevölkerung im Luxus prangt, während Jesus Christus ein so schlichtes Leben geführt hat.

Hus beginnt voller Elan das ursprüngliche Evangelium von Jesus zu predigen. Die Massen hören ihm begeistert zu. Das Papsttum könnte darauf mit Reformen reagieren, doch stattdessen entscheidet man sich, Hus zum Schweigen zu bringen. Hus wird nach Konstanz zu einem Konzil eingeladen. Doch trotz der Zusicherung freien Geleits des Kaisers Sigismund, lässt der Papst den Gelehrten aus Prag nach seiner Ankunft verhaften.

Der Papst und die Kardinäle wollen, dass Jan Hus verbrannt wird. Doch derselbe Papst wird vom Konstanzer Konzil im Mai 1415, also nur ein halbes Jahr nach der Verhaftung von Jan Hus, im selben Gefängnis eingesperrt. So wirkt Gott.

Der abgesetzte Papst und Hus schmachten im selben Gebäude in Konstanz.

Hus wird mehrmals eindringlich aufgefordert zu widerrufen. Man hat ihn in ein ekliges, kaltes, dunkles, feuchtes, stinkendes Verlies eingesperrt, wo er schnell schwer krank wird. Dennoch bleibt er stark und unbeugsam. Am
6. Juli 1415 stirbt Jan Hus den Märtyrertod in den Flammen. Es ist nicht gelungen, ihn zum Widerruf zu bewegen. Er stirbt als Sieger.

Die Asche von Hus wird in den Rhein gestreut und fließt weiter ins Meer. Ein schönes Bild dafür, wie sich die Lehren von Jan Hus über die ganze Welt verbreitet haben.

Er stützte sich auf das Wort Jesu: „Fürchtet euch nicht vor denen, die zwar den Leib töten, aber nicht eure Seele töten können.“ (Matthäus 10,28) Hus wusste, dass sein Heiland ihn wieder auferwecken würde. Dieses Vertrauen auf das Wort Gottes nahm ihm die Angst vor dem Tod.

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