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25.12.2017

Die Reformatoren: Johannes Calvin (1509 - 1564)

Der große Reformator war einige Male auf der Flucht, denn er scheute sich nicht, das klare Wort Gottes zu verkündigen. Dabei war es ihm wichtig, dass Glaube sich auch im Leben auswirkte.

Calvin wird in der Picardie geboren – in der Gegend nördlich von Paris, wohin Waldenser aufgrund der Verfolgungen in ihrer Heimat in den Cottischen Alpen im Piemont geflohen waren. Calvin ist dermaßen intelligent, dass er bereits mit 19 Jahren den Magistertitel an der Sorbonne, der Pariser Universität, erhält. Ursprünglich sollte Calvin Theologie studieren und Priester werden. Doch dann überwirft sich Calvins Vater mit dem Klerus. Darum studiert der junge Mann nicht Theologie, sondern Jura.

Als der Vater stirbt, ist Calvin 22 Jahre alt und muss miterleben, dass seinem verstorbenen Vater, der Jahrzehnte lang treu im Dienst der Kirche stand, die Totenmesse verweigert wird. Aufgrund eines Streites über eine Erbschaft war der nun Verstorbene mit dem kleinen Kirchenbann belegt worden. Diese Erfahrung bleibt für den Sohn nicht ohne Auswirkungen.

Calvin ist in Untermiete bei einem Tuchhändler, in dessen Haus sich ein Kreis evangelisch Gesinnter zu Versammlungen trifft. Er beginnt sich mit der reformatorischen Lehre in Diskussionen und im Studium auseinanderzusetzen. Nikolaus Kopp, ein Mediziner und Freund Calvins, wird zum Rektor der neuen Universität in Paris berufen. Kopp ist der Sohn des Leibarztes des französischen Königs, der mit Erasmus von Rotterdam befreundet ist. Calvin schreibt gemeinsam mit Nikolaus Kopp dessen Antrittsrede an der Universität, in der furchtlos das Denken der mittelalterlichen Scholastik angegriffen und die lutherische Lehre als rechtmäßig dargestellt wird. Dieser eifrige, aber übereilte, unweise Schritt führt zur Verfolgung der beiden und ihrer Freunde. Calvin kann sich mittels zusammengebundener Leinentücher in letzter Minute vor den Häschern durch das Fenster retten, sonst hätte man den 24-Jährigen bereits 1533 verbrannt.

Calvin flüchtet quer durch Frankreich, immer in Gefahr, verhaftet und getötet zu werden. Er verkleidet sich als Bauer, trägt eine Haue auf seiner Schulter, um unerkannt untertauchen zu können. Schließlich findet er auf dem Hof Margarethes von Navarra in Nerac Unterschlupf, der Schwester des Königs, die auf ihrem Landsitz einen Kreis bedeutender, reformatorisch gesinnter Persönlichkeiten schützt.

Calvin wendet sich entschieden der Reformation zu, wagt die Rückkehr nach Paris, muss aber wieder flüchten. Sein früherer Vermieter fällt der Verfolgung zum Opfer und wird verbrannt. Calvin, als nicht geweihter Priester, beginnt das Abendmahl in beiderlei Gestalt an das Volk auszuteilen. Das bedeutet, dass auch der Kelch dem Volk gereicht wird, was zu jener Zeit mit dem Tod bestraft wird. Das Volk hört gern seine Predigten. Scharenweise strömt es ihm zu. Seine großartige Predigtgabe wird nun sichtbar. Doch lange kann er nirgendwo bleiben, denn man ist ihm immer wieder auf den Fersen.

Auf der Flucht kommt Calvin 1534 nach Basel, wo er wieder seinen Freund Nikolaus Kopp trifft. Eifrig schreibt er an seiner Institutio Christianae Religionis, die zu einem Standardwerk der reformatorischen Theologie werden wird. Calvin wirkt von seinem Schweizer Exil aus wie Johannes auf der Insel Patmos. Er schreibt und schreibt und bewirkt dadurch ein völlig neues Denken für Jahrhunderte.

Wieder einmal ist Calvin auf der Flucht. Eigentlich will er nach Straßburg, als er auf der Durchreise in Genf von Guillaume Farel inständig gebeten wird, doch in Genf zu bleiben und zu helfen, diese Stadt zu einem Bollwerk reformatorischen Gedankenguts werden zu lassen.

Calvin entwickelt eine strenge Kirchenordnung, um der Unmoral in der Stadt entsprechend zu begegnen. Verpflichtender Gottesdienstbesuch wird eingeführt, und Gaststätten werden aufgrund des dort ausgeschenkten Alkohols zu verbotenen Häusern. Dagegen erheben sich führende Kreise in Genf. Farel wie Calvin werden aus der Stadt vertrieben. So kommt Calvin doch noch nach Straßburg, allerdings erst einige Jahre später als ursprünglich geplant, nämlich 1538. Calvin lehrt die Bibel an der Universität und predigt regelmäßig in mehreren Kirchen der Stadt.

Der Vertriebene wird wieder zurückgeholt. Das ist sensationell. Warum das? Nach dem Weggang Calvins haben sich liberale theologische Strömungen in Genf breitgemacht und zu einem sittlichen Niedergang in der Bevölkerung geführt. Die Stadtväter merken nun den Unterschied und bitten Calvin reumütig, wieder zurückzukommen, was dieser gerne annimmt, da er nun als einer auftreten kann, den man gerufen hat.

Die letzten Lebensjahre Calvins in Genf sind wie immer von emsiger Schreibarbeit geprägt. Bis zuletzt verfasst er Schrift um Schrift und hinterlässt der Nachwelt eine Fülle systematischer theologischer Abhandlungen. Ein großer Denker hat Struktur und System in die Fülle theologischer Gedankengänge gebracht.  Wie bei Luther hat sich das Studium der Rechtswissenschaften in Verbindung mit dem Studium der Theologie als sehr befruchtend erwiesen.

Mag. Kurt Piesslinger

 

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