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01.05.2016

Tipps zum Bibellesen: Synoptisches Lesen

Das Neue Testament enthält u.a. vier Evangelien. Jedes davon setzt seine eigenen Schwerpunkte. Der Leser kann ein bestimmtes Ereignis aus dem Blickwinkel mehrerer Evangelisten betrachten – eine spannende Entdeckungsreise!

Am Beginn des Neuen Testaments befinden sich die vier Evangelien, vier Lebensbeschreibungen von Jesus. Bei genauerem Hinsehen stellt man fest, dass jedes Evangelium seine eigenen Schwerpunkte setzt: Matthäus richtet sich an Zuhörer, die die Schriften des Alten Testaments bereits kennen. Es ist ihm wichtig zu zeigen, dass Jesus der vorhergesagte Messias ist. Das Evangelium nach Markus ist knapp gehalten, aber voller Aktion. Lukas hat einen besonderen Blick auf die Ausgegrenzten und Benachteiligten der damaligen Gesellschaft. Bei ihm liest man von Ausländern, Witwen, Zöllnern, verlorenen Söhnen, Aussätzigen und Armen.
Johannes, der sein Evangelium als letzter geschrieben hat, hält sich nicht nur bei Berichten über Ereignisse auf, sondern deutet sie geistlich. Die Göttlichkeit Jesu ist einer seiner Schwerpunkte.

Etliche Ereignisse (z. B. die Speisung der 5000 oder das Leiden und Sterben Jesu) werden in mehreren Evangelien berichtet. Die ersten drei (Matthäus, Markus und Lukas) bezeichnet man als „synoptisch“ (Synopse = Zusammenschau), da sie so viele Parallelen aufweisen. Wir sehen das gleiche Geschehen durch unterschiedliche „Brillen“. Genauso ist es heute noch, wenn ganz unterschiedliche Personen ihre Sicht von ein und demselben Ereignis schildern. Der eine hat auf dieses geachtet, der andere auf jenes. So ist es auch bei den vier verschiedenen Evangelien.

Synoptisches Lesen bedeutet, dass ich ein bestimmtes Ereignis aus dem Blickwinkel mehrerer Evangelisten betrachte. Ich achte bewusst darauf, welches Detail wo erwähnt wird und wer welchen Schwerpunkt setzt. Gleichzeitig bekomme ich mehr Informationen, als wenn ich nur ein Evangelium studiert hätte. So wird meine Sicht von Jesus umfassender.

Manchmal kann mir auch eines der Evangelien eine schwer verständliche Aussage aus einem anderen besser erklären, z. B. führt Matthäus 5,48 schnell zum Missverständnis, dass wir perfekt sein müssen, während Lukas 6,36 zeigt, dass es vor allem darum geht, Gottes Eigenschaften (Barmherzigkeit) nachzuahmen (siehe auch Matthäus 24,15 und Lukas 21,20).

Synoptisches Lesen ist sehr spannend, übrigens nicht nur bei den Evangelien, sondern auch bei anderen Bibelbüchern (z. B. bei  Samuel/Könige/Chronik, die
z. T. von denselben Personen und Ereignissen berichten).

 

 

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